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Doulce mémoire

22. Juli | 20:30

Süße Erinnerungen an berühmte Canzonen, Sonaten und Tänze des 16. und 17. Jahrhunderts

Im 16. Jahrhundert wandelte sich ein Musikstück mitunter von einer einfachen Melodie in eine große Messe, aus einem Liebeslied wurde eine Motette in dem man einfach den Text ersetzte, ein Vokalstück wurde Instrumental in dem man die Stimmen einfach durch Instrumente ersetzte, oder eine einfache Melodie wurde höchst virtuos in dem man Verzierungen hinzufügte. Eine mehrstimmige Motette wurde zu einem einstimmigen, von einem Cembalo begleiteten Stück mit üppigen Ornamenten. So konnte es sein, dass Melodien manchmal über ein ganzes Jahrhundert auf ihrem Weg durch Europa immer wieder neu erfunden und anders „erzählt“ wurden. Das Bedürfnis „dem guten Sänger“ nach zu ahmen, führte bei den Instrumentalisten dazu immer mehr Möglichkeiten des eigenen Instruments zu entdecken, so dass sich das Instrument schließlich neben dem Gesang vollwertig etablieren konnte und immer mehr “Originalkompositionen” für Instrumente entstanden.

Une jeune Fillette, in Italien bekannt als La Monica, beschreibt ein junges Mädchen, das weint, weil es gegen ihren Willen ins Kloster muss, wo es nur noch klagend auf den Tod wartet. Die Melodie dieses Lieds erreichte große Bekanntheit und wird europaweit in zahllosen Bearbeitungen und sogar in parodierten Messen wiedergefunden, wobei man sich vorstellen kann, dass die Kirche dieses Lied in seinem ursprünglichen Kontext nicht unbedingt guthieß. Ausserdem war es auch ein beliebtes Thema Sammlungen für Cembalo oder Orgel, u.a. von Girolamo Frescobaldi und Bernardo Storace.

Eine ähnlich prominente Behandlung wie Anchor bekamen die zwei französischen Chansons Doulce Mémoire, komponiert von Pierre Sandrin („Gleich, wenn das Gute vorbei ist… fängt das Böse an“), sowie Susanne ung Jour von Orlando di Lasso. Letzteres stammt aus einer alttestamentarischen Passage aus dem Buch Daniel, worin er über zwei Männer richtet, die selbst Richter sind und Susanne vor die unmögliche Wahl stellen, entweder „Schande“ über sie zu bringen, oder mit ihnen beiden die Nacht zu verbringen – ein weit verbreitetes Thema in sowohl Musik, Literatur, Bildender Kunst und Malerei. Francesco Rognoni, Sproß einer wichtigen Streicherfamilie aus Mailand, schrieb diese fantastische Diminution „Alla Bastarda“ – was bedeutet, dass Verzierungen nicht nur in der Oberstimme gemacht werden, sondern quer durch alle Stimmen gehen. Ein ähnliches Verfahren wie bei Diego Ortiz‘ Recercada Terca Sobre Doulce Memoire. Ganz anders in seiner der Recercada Segunda, wo nur die Oberstimme diminuiert wird.

Nicht nur in Südeuropa, auch in England war das Variieren und das Leihen von sogenannte „Hits“ sehr in Mode. John Dowland („Semper Dowland – semper Dolens, immer Downland – immer Trauer, so sein Leibspruch) schrieb das dunkele „Flow my tears (Pavan Lachrimae)“. Man findet während dieser Elisabethanischen Zeit ganz viele tiefst traurige Stücke: Melancholie war „in“. Man trug schwarze Kleidung, spielte Stücke mit schönen Namen wie „an Image of Melancholy“ und las ein Buch wie „an Anatomy of Melancholy (Burton, 1621). Im letzten Satz des Liedes heißt es: “Glücklich sind jene, die in der Hölle die Qualen dieser Welt nicht verspüren!“ – Dieses düstere Lied also, wurde unübertroffen berühmt und oft kopiert und verziert. Einer der bekanntesten Fassungen ist wohl von Jacob van Eyck 1644 veröffentlicht, dem blinden, berühmten Blockflöte-improvisator und Glockenspieler aus Utrecht.

Eine andere Art von beliebter Musik stellen die sogenannten Ostinate Bässe da. Die ursprünglich von einfachen Melodien abgeleiteten Harmonischen Folgen wurden wiederholt und waren dann Grundlage für verschiedenste Arten von Improvisation, und schließlich, eine beliebte musikalische Form für einen Komponisten um sein Können, oder jenes der Instrumentalisten bzw. Sänger darzustellen. Einige dieser Themen waren über Jahrhunderte ein beliebtes Kompositionsmittel. Die Romanesca, bekannter Weise in Form von „Greensleeves“, findet man auch in der Unterhaltungs- und Popmusik des 20. Jahrhunderts wieder, zum Beispiel bei Jacques Brèl. Die Follia (die Verrücktheit) kennt man z. B. von „Conquest of Paradise“ von Vangelis. Jene Fassung von Arcangelo Corelli war um 1700 die am meisten verbreitete.

Schließlich sind auch die Passacaglia, welche aus der Romanesca hervorgeht, sowie die Ciaconna zwei Bassmodelle, die auch getanzt wurden, und zu enormer Popularität aufstiegen. In mehreren Sammlungen von Canzonen und Sonaten findet man zum Schluss noch eine solche Passacaglia oder eine Chaconne. Auch heute bilden diese musikalischen Formen Grundlage für Popmusik, Volksmusik, oder auch Flamenco!

Die instrumentale Emanzipation bestand vor allem darin, dass all dieses Improvisieren unweigerlich zu eigenständigen Kompositionen für Instrumente führte. Ohne Tanzsätze als Grundlage, ohne Wörter, ohne sich wiederholende Bässe. Beispiele dafür sind zum Einen die allererste für Posaune geschriebene Sonate „La Hyroniema“, vom Posaunisten und Komponisten Giovanni Martino Cesare; zum Anderen ein sehr frühes Beispiel eines „Lied ohne Worte“: das poetische „La Suave Melodia“ von Andrea Falconieri, einer der profiliertesten Theorben Spieler seiner Zeit.

Zu guter Letzt die Spagnoletta – Tanzmusik ist seit jeher wohl der vornehmsten Grundlage zur Musikalische Improvisation gewesen: Es wurde am Hof viel getanzt, und die Tänze wurden auch wiederholt, und so findet man auch hier einen Überfluss an reich ausgezierten Tänzen. In unserem Fall die Spagnoletta, ein Tanz mit -kurioserweise – Italienischen Wurzeln.

Einige dieser „Doulce Mémoire“, also der süßen Erinnerungen aus der Zeit des 16. Und 17. Jahrhunderts, jener Zeit voller Entdeckungen, Erfindungen, Reisen und Kreativität präsentiert Musica Antiqua Salzburg mit Zink, Blockflöte, Posaune, sowie Orgel und Cembalo.

 

Musica Antiqua Salzburg

Andrea Guttmann-Lunenburg – Blockflöte

Matthijs Lunenburg – Blockflöte, Zink

Stefan Konzett – Posaune

Bernhard Prammer – Tasten

Daniel Pilz – Gambe, Barockgitarre

 

Kartenvorverkauf ab dem 19. Juni wie immer bei Papier & Bücher Wolfsgruber in der Pfarrgasse 18 sowie unter labyrinthus@gmx.at und 0664 4407210.

Details

Datum:
22. Juli
Zeit:
20:30

Veranstaltungsort

Stadtpfarrkirche Freistadt
Freistadt, Österreich

Veranstalter

Labyrinthus